Oberbürgermeister soll Wiederaufbau der Garnisonkirche unterstützen

Votierungsliste Nummer: 
11
Laufende Nummer: 
441
Art der Übermittlung: 
Bürgerversammlung / Infostand
Betrifft: 

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Potsdams Oberbürgermeister unterstützt den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche in Sinne der Schaffung eines landesweiten Friedenszentrums.

Bewertung / Einschätzung der Landeshauptstadt Potsdam: 

Einen ersten Vorschlag zur künftigen Arbeit der Landeshauptstadt Potsdam im Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche hat Oberbürgermeister Mike Schubert Anfang September 2019 den Fraktionsspitzen der Stadtverordnetenversammlung vorgestellt. Folgende Punkte sieht der Vorschlag vor: Die Landeshauptstadt Potsdam wirkt an der Schaffung einer Ausstellung, die die Geschichte des Ortes vollumfänglich darstellt, im Turm der Garnisonkirche mit. Grundlage dieses Handlungszieles bildet die Wiederrichtung des Turms der Garnisonkirche aufgrund bereits erteilter Baugenehmigungen. Außerdem nimmt die Landeshauptstadt Potsdam Gespräche mit der Stiftung Garnisonkirche und der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche e.V. mit dem Ziel auf, bei einer zukünftigen Errichtung eines Gebäudes auf dem Grundstück, auf dem ehemals das Kirchenschiff stand, eine internationale Jugendbegegnungsstätte für Bildung und Demokratie zu errichten. Die zukünftige Architektur soll den Anforderungen des Nutzungszwecks folgen. Bis zum Jahr 2023 soll ein inhaltliches Konzept erarbeitet werden, in dem auch die Frage der Trägerschaft einer solchen Einrichtung betrachtet wird.
Der Oberbürgermeister wird im November 2019 eine entsprechende Beschlussvorlage zur Klärung der Aufgaben und Ziele des Mitgliedes der Landeshauptstadt im Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche einbringen und der Stadtverordnetenversammlung zur Diskussion und Beschlussfassung vorlegen.

 

Verlauf der Vorschlagseinbringung / Rechenschaft: 

Der Vorschlag wurde im Bürgerhaushalt 2020/21 der Landeshauptstadt Potsdam eingereicht. Er erhielt von den Potsdamerinnen und Potsdamern bei der Vorauswahl / Priorisierung ausreichend Punkte und wurde in die „Liste der Vorschläge der Bürgerinnen und Bürger“ unter der Nummer 11 aufgenommen. Der Vorschlag steht bei der abschließenden Votierung ab 30. September 2019 erneut zur Abstimmung.

>> Der Vorschlag wurde nach der Priorisierung vom Redaktionsteam, in dem Vertreter der Bürgerschaft und Verwaltung tätig waren, aus mehreren Vorschlägen zusammengefasst:

Originalvorschläge:

441. Pro Garnisonkirche
Ich bin der Meinung, dass Potsdams Oberbürgermeister den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche weiter unterstützen sollte. Das Ziel eines landesweiten Friedenszentrums in der Landeshauptstadt Potsdam ist vorbildlich und sollte hervorgehoben werden.

1056. Garnisonkirchen-Aufbau
Ich bin für den Aufbau Garnisonkirche.

Kommentare

Ich bin der Meinung,daß diese Kirche Stadtbild formende Funktion besitzt.Sie wird zur Identifizierung dieser Stadt beitragen.
Außerdem wünschte ich mir mit ihr eine neue Form von Kirche,eine die offen für alle ist und ein Ort für Diskussionen über Kunst,Ethik und weltanschauliche Dinge.

Sehr geehrte/r Antragsteller/in
wenn die Gesellschaft ein "landesweites Friedenszentrum" braucht, dann sollte es von der Gesamtgesellschaft konzipiert und getragen werden.
Wichtig wäre auch, sich ZUERST über den Inhalt eines solchen Zentrums zu verständigen, und dann danach die beste Form/Architektur zu suchen. Im Fall Garnisonkirche ist es aber umgekehrt. Hier soll einer historischen Form ein Inhalt "eingepresst" werden. Hier entsteht auf Initiative von rechten Kreisen eine barocke Kirchenkopie. Stadt und evangelische Kirche haben die Initiative aufgegriffen und versuchen seit dem Ruf von Potsdam die Intention umzudeuten. Das ist einerseits löblich aber auch gänzlich unglaubwürdig und bisher erfolglos. Denn sonst wäre schon zum Lutherjahr 2017 Einweihung gewesen. Niemand nimmt den heutigen Befürworter/innen die Ernsthaftigkeit des Vorhabens ab, weil:
- es immer wieder um das Stadtbild geht,
- weil Geschichte unvollständig reflektiert wird,
- weil in der Debatte selektiert wird,
- weil das Nagelkreuz als Turmspitze verbannt wurde,
- weil in den sozialen Netzwerken die Rechten Beifall klatschen,
- weil es um die Eitelkeit einzelner Personen geht ...
und nicht um eine gesamtgesellschaftliche Lösung. Da helfen auch keine Lösungen im Sockel. Ein Bruch mit der Geschichte erfordert einen Bruch in der Form.

Versöhnung kann nur von den Opfern angeboten werden, und nicht von den Tätern erbeten werden. Wer Geschichte lehren will, muss diese in Gänze zulassen und reflektieren. Inklusive der eigenen Schuld als Kirche. Wo werden denn die Opfergruppe in der Konzeption beteiligt? Gar nicht. Wer Verantwortung lernen will, hat scheinbar bisher keine wahrgenommen.

Und der liebe Gott braucht diesen "Aussichtsturm mit Gebetsanschluss" auch nicht. Er dient nur der irdischen Eitelkeit.

Eine gute Lösung hat die Stadt München gefunden. Am Standort des NSDAP-Hauptquartiers, ein wunderschönes klassizistisches Palais, welches im 2.WK zerstört wurde, steht heute eine NS-Dokumentationszentrum der Stadt München. Ein tolles, wirklich friedensstiftendes Museum. Dort wird der Stadtgeschichte erinnert und Verantwortung übernommen. Potsdam stände ein ähnliches Objekt zur preußischen Militär- und Kriegsgeschichte gut zu Gesicht. Der ideale Standort wäre die Breite Straße Nr.7, der Bauplatz der Kirchenkopie.

Wichtig für die Potsdamer Geschichte.
Weiter bauen :)

Ich erinnere mich noch recht gut daran, wie die seinerzeit noch recht jungen Pastoren Martin Vogel und Gregor Hohberg die Idee eines Versöhnungszentrums entwickelten, gänzlich anders, als es Max Klaar vorgesehen hatte, der wohl als verstockter Antikommunist bezeichnet werden muss.

Einer davon, Gregor Hohberg, ist heute der maßgebliche Initiator des House of One am Berliner Petriplatz, der Lehr- und Betstätte der drei großen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam.

Versöhnung setzt auf die innere Bereitschaft zum Wandel. - Was kann es Sinnvolleres geben, als dass Versöhnung genau dort ansetzt, wo zuvor all zu oft Unversöhnliches in die Welt kam und genau dieser Wandlung bedarf? Keine erbeutete Flaggen werden in der neu errichteten Garnisonkirche in der Kapelle und im späteren Kirchenschiff stehen, dafür werden dort und in neu gestalteten, vorher nicht dagewesenen Räumen Orte des Dialogs entstehen.

Das können sich Viele offenbar nicht vorstellen. Einige (Wenige) wollen das auch nicht. Weil Versöhnung eben per se nicht sein darf, weil sie zur Folge hätte, nicht mehr auf der einzig richtigen Seite zu stehen. Das nenne ich unversöhnlich ...

"Ich habe einen Traum", sprach Martin Luther King. Das ging nicht nur an seine Anhänger, vor allem ging das an diejenigen, die sich das nicht vorstellen konnten und auf ihre Vorherrschaft bedacht waren. Auch wenn es noch ein Vierteljahrhundert brauchte, bis ein Schwarzer auf dem Präsidentenstuhl saß.

Wenn der Turm und auch das Schiff errichtet wird und in der Nachbarschaft ein Kunst- und Kreativzentrum erwachsen ist, werden die Versöhnlichen einander einladen, die Unversöhnlichen aber sich in den Schmollwinkel zurückziehen.

Wenn Potsdam einmal "fertig" ist, die meisten DDR-Bauten weg und die alten Gebäude wiedererrichtet sind, wird ein Außenstehender annehmen können, es hätte zwischen 1933 und 1990 (so gut wie) keine Geschichte gegeben - wie schön.

Die Garnisonkirche war und ist ein Denkmal von nationaler Bedeutung!
Sie wurde 1968 zu unrecht gesprengt und nun wieder aufgebaut!
Dieser Ort wird wichtig für die Geschichtsaufarbeitung und für die Menschen ein Ort der Versöhnung sein.
Die Garnisonkirche war und wird wieder ein bedeutender Ort für Potsdam sein.

"Sie wurde 1968 zu unrecht gesprengt" ... natürlich zu Unrecht - war doch schließlich ein "Unrechtsstaat" die DDR, da war alles Unrecht, was getan wurde, man braucht keine Begründung.
Im Gegensatz dazu war die BRD ein Rechststaat, weswegen Sprengungen von Gebäuden die in der BRD dem Fortschritt im Weg waren, zu recht erfolgten - logisch!

Diese Kirche ist viel wichtiger, als immer noch mehr "Wohnraum"!

Seit einigen Jahren engagiere ich mich für den Wiederaufbau der Garnisonkirche. Es hat lange gedauert, bis endlich angefangen wurde. Nun wächst der Turm! Es ist viel diskutiert worden mit dem Ergebnis, dass gebaut wird. Und nun soll wohl dieses wunderbare Werk nicht weitergeführt werden, nur weil wir einen neuen Oberbürgermeister haben?1?

Das Bauwerk wird natürlich weitergeführt werden, es geht "nur" um die angemessenste Vertretung der Stadt. Wenn nicht durch den OB, dann durch einen anderen.

Der seinerzeit formulierte Antrag, dass der Bau aufgegeben werden soll, ist mit Mehrheit abgelehnt worden, ansonsten grenzte das ja an Masochismus, dass eine Stiftung, die das Kernanliegen hat, diesen Bau zu errichten, gegen ihr eigenes Kernanliegen stimmen soll. Mit dem Antrag und dessen Ablehnung ist die Angelegenheit damit erledigt.

@ JLPicard,

ein Blick von der Nikolaikirche oder ersatzweise vom Hotel Mercure hinunter, wenn Ihnen dies näherliegt, wird Ihnen zeigen, dass ausreichend Bauten von der Periode 1945 - 1989 zeugen und auch künftig zeugen werden.

In Bezug auf die Gesamtstadt ist sie - wie in allen Städten weltweit - recht überproportional vertreten.

Die unrechtmäßige Sprengung resuliert nicht aus der pauschalen Behauptung des Unrechts heraus, sondern dass die Sprengung gegen den erklärten Willen des Eigentümers vonstatten ging. Dazu wurde Gefahr im Verzuge vorgeschoben, die zu keiner Zeit bestanden hat.

Im Gegensatz zu einem kleinen, nichtrepräsentativen politischen Grüppchen hier in dieser Stadt, unterstütze ich den Wiederaufbau der GK voll & ganz. Diejenigen, die dieses Bauwerk ablehnen und es mit ausschließlich rechtem Gedankengut gleichsetzen haben die Preußische Geschichte eben nicht verstanden. Und das der Bauherr König Friedrich Wilhelm I. nun auch noch "Nazi" gewesen sein soll, ist schon eine mehr als dümmliche Erklärung ?!

Für das Stadtbild ist der Turm sehr wichtig. Ich freue mich schon sehr auf diese Vervollständigung der Silhouette. Bitte Alle Mittel dafür in Bewegung setzen, dass dieser Turm schnell fertig wird! Das früher akustisch gut funktionierende Kirchenschiff könnte ein Konzertsaal für Klassik der ersten Liga werden. Der Nikolaisaal, als Mehrzwecksaal gebaut, erfüllt diesen Anspruch akustisch nicht und das Hans Otto Theater ist für Musiktheater akustisch unbrauchbar.

„… die Potsdamer Garnisonkirche zeigt, dass Erinnerungen der Menschen stärker sein können als der ideologisch-politische Wille, Geschichte umzuschreiben. Die Garnisonkirche blieb im Gedächtnis vieler Menschen – seiner architektonischen Schönheit wegen, als Teil der Stadtsilhouette, als Element der Sichtachsen, als bedeutendes Monument norddeutscher Barockarchitektur…..“
(aus der Rede von Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble beim Neujahrsempfang der Stiftung Garnisonkirche Potsdam)
Dem muß ich nichts hinzufügen

Als gbürtige Potsdamerin,gehört die Ganisonkirche ins Stadtbild.

Selbstverständlich weitermachen, aufbauen! Alles. Die Geschichte betrachten, als das, was sie - Vergangenheit. Lehren daraus ziehen und sich nicht von den Ideologen beirren lassen. Die Stadt sollte stolz sein, die Unterstützung vom Bund für das gesamtdeutsche Denkmal zu erhalten und emsig daran mitwirken, daß es künftig nicht wieder mißbraucht werden kann. Weder von links noch von rechts.

Ich bin dagegen... Leider kann man hier aber nur kommentieren...

Hallo "dilu",

im Rahmen der Vorauswahl des Bürgerhaushalts lassen sich Vorschläge nur positiv unterstützen. Wenn Sie gegenteilige Ideen haben, können Sie diese als eigene Hinweise formulieren und dann Unterstützer/innen dafür finden. Beim Beispiel des hier kommentierten Vorschlags gibt es bereits weitere Ideen, auch gegenteilige, die Sie über die Suche per Stichwort finden können: https://buergerbeteiligung.potsdam.de/node/10387

Gruß, Frank Daenzer - Projektteam Bürgerhaushalt

Was ist die "nationale Bedeutung" dieser Kirche? Diese wird schnell behauptet und kaum erklärt.

Geehrter Herr Funke,

die besagte nationale Bedeutung ist keineswegs "schnell", mithin mit heißer Nadel, behauptet worden, sondern in einem recht langwierigen Prozess detailliert herausgearbeitet worden. Altbischof Wolfgang Huber hat das einmal so skizziert, dass in kaum einem Bauwerk sich so sehr sämtliche Facetten der deutschen Geschichte widerspiegeln wie in der Potsdamer Garnisonkirche. Als bspw. wären: Die Veränderung Preußens von einem Staat, der sich nebenbei ein Militär hielt, hin zu einem Militär, das sich faktisch einen Staat hielt. Die Gründe dafür wären sehr aufschlussreich. Die Goebbelsche Inszenierung, die Inbesitznahme der Kirche und die damit verwobene Mythologisierung auf allen Seiten - bis hin zur SED, die sie sprengen ließ - die Rolle von Soldaten, der Widerstand und welche Motive er trug,

Die Befürwortenden dieses Kirchen-Aufbaus sehen in der Aufarbeitung, dem offenen Lernen aus der Geschichte, eine riesige Chance. Andere, denen vorrangig an das Wegschieben unbequemer Geschichtsteile gelegen ist, haben sowohl mit der Wiedererrichtung als auch mit dem offenen Lernen ihre Schwierigkeiten.

Interessanterweise wird es in Bezug auf die Garnisonkirche nur auf den "Tag von Potsdam" von 1933 und die Rolle der Garnisonkirche in der NS-Zeit bzw. für die rechtspolitischen Kräfte hingewiesen, was keineswegs abwegig, jedoch etwas eingeschränkt wäre. Man möge auch daran erinnern, dass die Garnisonkirche nicht nur eine wesentlich längere Geschichte aufweist und somit einen größeren Platz in der städtischen Chronik einnimmt. Mit diesem Ort ist auch ein Stück demokratischer Tradition verbunden. Denn nachdem die Städteordnung von 1808, die sich durch die Idee der Selbstverwaltung der Bürger auszeichnete, in Preußen in Kraft trat, war keine andere als die Garnisonkirche der Ort für die erste Festsitzung der Versammlung von den ersten gewählten Stadtverordneten am 3. August 1809 (also genau vor 210 Jahren).

Das Thema wurde nun oft genug im Bürgerhaushalt abgelehnt. Eine kleine Minderheit wünscht sich den Bau zur nostalgischen Selbstbespiegelung, findet aber seit Jahrzehnten weder eine breite Unterstützung in der Bevölkerung noch ausreichend Spender. Kein Wunder, gründet sich die Mär von der " nationalen Bedeutung" doch ausschließlich auf den "Tag von Potsdam", als ein preußisches Symbol ein deutsches werden sollte. Abgesehen davon ist dieses "Symbol" außerhalb Potsdams auch nur wenigen, oft national gesinnten Menschen überhaupt bekannt. Wir können die Vollendung dieses Kleinods getrost dem Bund überlassen der durch seine Mittel ja den Baubeginn überhaupt erst möglich gemacht hat und den Bürgermeister seine Arbeit für die Stadt tun lassen.

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