Rechenzentrum langfristig sichern (Aussetzung Sanierungsziel "Abriss")

Votierungsliste Nummer: 
29
Laufende Nummer: 
780
Art der Übermittlung: 
Internet
Betrifft: 

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Das Rechenzentrum wird als Begegnungsort, Ideenschmiede, Zukunftslabor und Wirtschaftsfaktor am jetzigen Standort erhalten. Notwendige Investitionen und deren Refinanzierung erfordern eine Nutzung des Hauses von mindestens 20 bis 25 Jahren. Um diese wichtigen Schritte umsetzbar zu machen, ist die Aussetzung des bisherigen Sanierungsziels „Abriss“ notwendig.

Einschätzung der Landeshauptstadt Potsdam: 

Zur Verlängerung der Nutzungsdauer des Rechenzentrums für die Kultur- und Kreativwirtschaft finden derzeit Gespräche zwischen der Landeshauptstadt, der Stiftung Garnisonkirche und den Nutzerinnen und Nutzern des Gebäudes statt. Die Stiftung, der das Grundstück des Rechenzentrums zum Zweck des Aufbaus des Kirchenschiffs der Garnisonkirche zum Teil eigentumsrechtlich gehört, hält eine Verlängerung für möglich, wenn die technischen und finanziellen Fragen in diesem Zusammenhang lösbar sind. Ziel der Gespräche ist es, bis Ende 2017 ein verändertes Vertragswerk vorzulegen.
Nach der bautechnischen Prüfung fand auch eine bauordnungsrechtliche Prüfung statt. Danach kann der Parallelbetrieb von Kreativhaus Rechenzentrum und Turm der Garnisonkirche befristet bis 31. Dezember 2023 geduldet werden. Eine Verlängerung über diesen Duldungszeitraum hinaus würde jedoch neue baurechtliche Fragen am Rechenzentrum aufwerfen. Bevor mit dem Hochbau des Turms im Frühjahr 2018 begonnen wird, müssen die schon bekannten brandschutztechnischen Ertüchtigungen am Gebäude des Rechenzentrums stattfinden. Zu weiteren sanierungsrechtlichen, baurechtlichen und finanziellen Fragen einer Nutzungsverlängerung wird auf die Mitteilung 16/SVV/0830 verwiesen.
Eine Abkehr von einer Zwischennutzung des Gebäudes und die Überführung in eine Dauernutzung mit einer Änderung der Ziele des Sanierungsgebietes „Potsdamer Mitte" würde erhebliche finanzielle Auswirkungen nach sich ziehen. Dazu zählt neben der Klärung der Finanzierung der Sanierung des Gebäudes vor allem die Rückzahlung von Fördermitteln, die ursprünglich für den Erwerb des Gebäudes zum Zweck des Abrisses gemäß der Sanierungsziele verwendet worden sind.

Kosten der Umsetzung: 
  • Instandsetzungsbedarf des Gebäudes: 8,8 Mio. Euro (sollte die Landeshauptstadt Potsdam die Finanzierung übernehmen)
  • Rückzahlung von Fördermitteln möglich: 5,2 Mio. Euro

Lesen Sie auch:
Pressemitteilung Nr. 576 vom 31.08.2017 "Finanzierung Mehrbedarf Rechenzentrum: Landeshauptstadt trägt Mehraufwand zum Parallelbetrieb von Rechenzentrum und Garnisonkirchenturm von bis zu 460.000 Euro"

 

Verlauf der Vorschlagseinbringung / Rechenschaft: 

Der Vorschlag wurde im Bürgerhaushalt 2018/19 der Landeshauptstadt Potsdam eingereicht. Er erhielt von den Potsdamerinnen und Potsdamern bei der abschließenden Votierung insgesamt 3.223 Punkte, wurde unter der Nummer 11 in die "Top 20 - Liste der Bürgerinnen und Bürger" aufgenommen und am 8. November 2017 der Stadtverordnetenversammlung übergeben. Der Vorschlag wird nun unter der Nummer DS 17/SVV/0829 in die politische Beratung des nächsten Stadthaushalts einbezogen und kann in den Kategorien „Annahme“, „In Umsetzung“, „Prüfauftrag“ oder „Ablehnung“ entschieden werden. Der Ausschuss für Kultur und Wissenschaft hat den Antrag am 23.11.2017 zurückgestellt und bis März 2018 zu vertagen. Es soll erst der Szenario-Workshop zum Rechenzentrum abgewartet werden bevor über den Antrag entschieden wird. Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr hat den Vorschlag am 28.11.2017 thematisiert und mit Verweis auf den Beschluss zur Durchführung eines Szenario-Workshops die Ablehnung empfohlen (2/4/0). Der Vorschlag wurde vom Ausschuss für Finanzen in der Sitzung vom 17.1.2018 erstmals thematisiert. Eine Empfehlung wurde vertagt, mit Verweis auf die derzeit stattfindende Durchführung eines Szenario-Workshops zur Zukunft der Kultur- und Kreativwirtschaft in der Potsdamer Mitte. Der Vorschlag wurde vom Hauptausschuss am 28.2.2018 vertagt. Die Stadtverordnetenversammlung hat den Vorschlag am 7.3.2018 vertagt.


>> Der Vorschlag wurde nach der Priorisierung vom Redaktionsteam, in dem Vertreter der Bürgerschaft und Verwaltung tätig waren, aus mehreren Vorschlägen zusammengefasst:

Nr. 780 - Langfristige Sicherung des Rechenzentrums für die Kreativwirtschaft
Die Nutzerinnen und Nutzer des Kunst- und Kreativhauses Rechenzentrum brauchen für ihre kreativwirtschaftlichen Existenzen Planungssicherheit. Nach eineinhalb Jahren Zwischennutzung kristallisiert sich die zwingende Langfristigkeit des Hauses heraus: Aus Büroräumen wurden Ateliers, Werkstätten und Studios. Hunderte Kreative aus Design, Text, Film, Musik, Bildende Kunst und Theater entwickeln inmitten der Stadt ihre Projekte, machen Geschäfte und kollaborieren. Regelmäßig laden Offene Ateliers, Ausstellungen, Vorträge, Konzerte und andere Anlässe in das Gebäude mit dem Mosaik »Der Mensch bezwingt den Kosmos«.
Das Rechenzentrum ist Begegnungsort, Ideenschmiede, Zukunftslabor und Wirtschaftsfaktor. Es ist ein Ort für die ganze Stadt und ihre Zukunft. Eine Alternative zum Rechenzentrum ist weder in Sicht, noch ist die Verlängerung der Nutzungsdauer sicher. Diese endet bislang am 31. August 2018. Um die 250 Existenzen, die mittlerweile verteilt auf fünf Etagen mit über 5000 m² Nutzfläche an das Haus gebunden sind, zu sichern, braucht das Rechenzentrum eine langfristige Perspektive. Und auch die Stadt kann durch das Haus sein kreatives, künstlerisches und zukunftsfähiges Potential zeigen. Im Rechenzentrum werden Formen einer digitalisierten, flexibilisierten Arbeitswelt erprobt - für ein zukunftsfähiges Potsdam.
Wir benötigen für dringend notwendige Sanierungsarbeiten Planungssicherheit. Die Investitionen und deren Refinanzierung erfordern eine Nutzung des Hauses von mindestens 20 bis 25 Jahren. Um diese wichtigen Schritte umsetzbar zu machen, fordern wir die Aussetzung des bisherigen Sanierungsziels "Abriss".

Nr. 396 - Rechenzentrum dauerhaft erhalten
Beim Rechenzentrum ist eine erfolgreiche Nachnutzung geglückt. Daher dessen Bestand bitte dauerhaft sichern (für Ateliers und falls das irgendwann nicht mehr ausreichend nachgefragt sein sollte auch weitere Nachnutzungen). Ein Nebeneinander mit einem Ort des Erinnerns an die unsägliche Geschichte der ehemaligen Garnisonkirche ist möglich. Kein Neubau der Kirche! Die städtebauliche Wegwerf- und Geldverschwendungsmentalität der Mehrheit der Potsdamer Politiker zerstört Werte und kulturelle Vielfalt, die Potsdam so dringend nötig hat.

Kommentare

AGENDA NOW: Die Umnutzung des Rechenzentrums ist geglückt - nun sollte das Kreativhaus zwingend zu einem festen Bestandteil in der Mitte der Landeshauptstadt werden!

Wichtiger Vorschlag. Muss man unterstützen

Ein wichtiger Punkt für eine lebendige und kreative Innenstadt

Ich sehe und empfinde das NEUE Rechenzentrum als das neue Kreativ-Rat-Haus, eine hürdenfreie Anlaufstelle, geschäftiges Netzwerk mit vielen Einladungen zur Teilhabe und aktiver Gestaltung in und mit Potsdam.
Ein, von den Potsdamern, gelebtes "Haus der Stadt". Erstaunlich, was für ein zukunftsweisendes, modernes und förderungswertes Klima im RZ entstanden ist.

Ob nun hier oder an anderer ZENTRALER Stelle, solch ein Ort muss der Stadt erhalten werden.

Und es geht nicht nur um die Erhaltung des Ortes, sondern auch um deren einladende Umfeldgestaltung, z.B. Erreichbarkeit durch den ÖPNV, Sichtbarkeit. Außerdem sollte heute schon die Stadt überlegen, wie sie dieses Kleinod finanziell über August 2018 unterstützen und stärken kann. Denn das RZ ist schon über die Stadtgrenzen hinaus mit zu einem Markenzeichen geworden.

Mit Verlaub: Die begrüßenswerten Aktivitäten sind keineswegs an das Gebäude des Rechenzentrums gebunden, vielmehr war und ist das ehemalige Rechenzentrum immer nur Notlösung gewesen. Vom Bau her ist es auf jeden Fall für kulturelle Aktivitäten nicht unbedingt prädestiniert, dazu sind die Gänge geradezu winzig. Es sei denn, mensch ist der Meinung, dass ein Gebäude nur umso nüchterner gestaltet sein müsse, damit sich die eigenen Aktivitäten umso besser von dieser Nüchternheit abheben.

Weder ist das Rechenzentrum von der Empfindung her zentral, noch passt es in die Umgebung hinein, die von den Hiller-Brandtschen Häusern und vom Großen Waisenhaus maßgeblich beeinflusst wird.

Ich persönlich bin dafür, dass sich alle Seiten innerhalb der nächsten fünf Jahre auf die Suche machen, um einen geeigneteren Standort als diesen für freie Kultur zu finden. Das Mosaik, so will ich es freimütig vorschlagen, ist am fußläufig stark frequentierten Johannes-Kepler-Platz im Wohngebiet Stern thematisch besser aufgehoben. Nicht aber, wie es - offensichtlich von Gleichgültigkeit geprägt - vorgeschlagen wird, irgendwo hinter dem Rathausgebäude zu verschwinden.

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