Kein städtisches Geld für den Wiederaufbau Garnisonkirche

Votierungsliste Nummer: 
10
Laufende Nummer: 
566
Art der Übermittlung: 
Internet
Betrifft: 

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

Der Oberbürgermeister tritt weiterhin für die Auflösung der Stiftung Garnisonkirche ein. Für den originalgetreuen Wiederaufbau der Kirche soll keine Finanzierung durch die Stadt erfolgen.

Bewertung / Einschätzung der Landeshauptstadt Potsdam: 

Gemäß den Beschlüssen 08/SVV/0325 und 12/SVV/0759 durch die Stadtverordnetenversammlung wird eine finanzielle Beteiligung der Landeshauptstadt Potsdam am Bau der Garnisonkirche ausgeschlossen.
Der Oberbürgermeister wird im November 2019 eine Beschlussvorlage zur Klärung der zukünftigen Aufgaben und Ziele des Mitgliedes der Landeshauptstadt im Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche einbringen und der Stadtverordnetenversammlung zur Diskussion und Beschlussfassung vorlegen.

 

Verlauf der Vorschlagseinbringung / Rechenschaft: 

Der Vorschlag wurde im Bürgerhaushalt 2020/21 der Landeshauptstadt Potsdam eingereicht. Er erhielt von den Potsdamerinnen und Potsdamern bei der Vorauswahl / Priorisierung ausreichend Punkte und wurde in die „Liste der Vorschläge der Bürgerinnen und Bürger“ unter der Nummer 10 aufgenommen. Der Vorschlag steht bei der abschließenden Votierung ab 30. September 2019 erneut zur Abstimmung.

>> Der Vorschlag wurde nach der Priorisierung vom Redaktionsteam, in dem Vertreter der Bürgerschaft und Verwaltung tätig waren, aus mehreren Vorschlägen zusammengefasst:

Originalvorschläge:

566. Kein Geld für die Garnisonkirche
Ich bin der Meinung, dass der Potsdamer Oberbürgermeister weiterhin für die Auflösung der Stiftung Garnisonkirche eintreten muss. Falls diese Auflösung nicht erfolgt, soll er zeitnah die Stiftung verlassen, denn der originalgetreue Wiederaufbau der Garnisonkirche (einem Symbol des Militarismus), der auch den Abriss des Kunst- und Kreativhauses Rechenzentrum und eines Denkmals zur Folge haben soll, kann kein Akt der Versöhnung und des Friedens sein. Der Bau einer Kirche ist keine städtische Aufgabe und deshalb soll auch keine Finanzierung durch die Stadt erfolgen.

970. Kein Geld für Garnisonkirche
Kein Geld für die Garnisonkirche aus dem Haushalt der Stadt Potsdam.

755. Kein Stadtgeld für Garnisonkirche
Die Stadt sollte keinen Cent für die Garnisonkirche, egal welcher Art, geben.

1223. Keine Finanzierung der Garnisonkirche
Keine Finanzierung bzw. Unterstützung der Garnisonkirche in Potsdam,

1046. Contra Garnisonskirche
Keine öffentliche Mittel für den Weiterbau der Garnisonskirche,

93. Potsdam ohne Garnsionkirche
Die braucht niemand. Ein Ort der Versöhnung kann man auch woanders passender aufbauen.

1197. Keine Förderung von religiösen Bauten
Die Stadt sollte keine Zuschüsse für den Aufbau der Garnisonkirche und weitere religiöse Einrichtungen, wie die Synagoge, geben.

1133. Keine öffentlichen Gelder für Garnisionskirche (auch keine Bundesmittel)
Politisch kritische Bauprojekte sollten keine öffentliche finanzielle Unterstützung erhalten.

1144. Stiftung Garnisonkirche auflösen
Kein Weiterbau der Garnisonkirche, sofortige Auflösung der Stiftung

Die Votierung im Internet und auf dem Postweg für den Bürgerhaushalt 2020/21 läuft vom 30. September 2019 um 00:00 Uhr bis zum 06. Dezember 2019 um 23:59 Uhr.

Dieser Vorschlag hat bisher folgende Bewertung erhalten:

Online-Abstimmung: 7784 Punkte
Postweg: 4995 Punkte
Abschluss-Veranstaltung: 0 Punkte

Die Gesamtpunktzahl beträgt damit bis jetzt 12779 Punkte.

Auf dem Votierungsbogen finden Sie diesen Vorschlag in der Kategorie Bürgervorschläge zur Haushaltssicherung. Der Vorschlag hat die Nummer 10.

Kommentare

Es ist durch die Stadtverordneten beschlossen worden, dass der OB (damals noch Jacobs) die Stiftung Garnisonkirche auflösen bzw. auf die Auflösung hinwirken soll. Der OB ist der Stadtverordnetenversammlung Rechenschaft schuldig. Beschlüsse sollen umgesetzt werden. Schließlich argumentieren viele Uralt-Stadtverordnetete ja auch damit, dass 1990 mal beschlossen worden ist, die "Stadtmitte" von Anno dunnemals wiederherzurichten. Und auch hier wird nicht verstanden, dass man dies durchaus nach 30 Jahren wieder mal überprüfen sollte. Also - was dem einen Recht ist, sollte den anderen billig sein!

Die Stiftung Garnisonkirche veranschlagte die Kosten des sogenannten Wiederaufbaus im Jahr 2011 mit 37,8 Millionen €. Diese Zahl wird noch immer vorgehalten. Anhand der jährlichen Baukostensteigerungen von 3 - 5 % liegen die tatsächlichen Kosten längst bei weit über 50 Millionen €. Der Stiftung wird über kurz oder lang nichts anderes übrig bleiben, als bei der öffentlichen Hand mit dem Klingelbeutel vorbeizugehen. Keine Verschwendung von Steuergelder ein Kopieprojekt, das in Potsdam niemanden mit irgendetwas versöhnt.

Dieser Bau ist auch innerhalb der Kirche hochumstritten.
In der aktuellen politischen Situation brauchen wir bunte Kulturorte wie das Rechenzentrum dringender als Macht-Symbol militaristischer Herrscherkultur.

Zu Versöhnung ist derjenige in der Lage, der sie zu leben imstande ist. Das geschieht gerade nicht nur mit Gleichgesinnten. Wer sie, die Versöhnung, von vornherein ausschließt, verbleibt im Alten.

Es gilt, die Angebote wahrzunehmen, auf den Internet-Seiten ist alles nachzulesen und es gäbe kaum etwas Sinnvolleres, als sich so ein Bauwerk mit solch einer NEUEN Nutzung von überwiegendem Bürgerengagement finanzieren zu lassen. Das einzige städtische Geld, was geflossen ist, diente der baulichen Absicherung des Kulturzentrums und da sollten sich erklärte Gegner denn schon einig sein, was sie eigentlich wollen.

Was kann Kreativen denn Besseres passieren, als ein festes Kunst- und Kreativquartier zu bekommen, anstatt ein Bürogebäude, was auch genau so entworfen worden ist, zum Idealfall zu erklären? Ich drücke jedenfalls die Daumen, dass das Kunst- und Kreativquartier möglichst zügig umgesetzt wird und dass es zu einer guten Nachbarschaft kommt.

Bei Offenheit.

Sehr geehrter Herr Krüger,

ich muss immer etwas schmunzeln, wenn BefürworterInnen des Kopieprojektes so Sätze schreiben wie "Wer sie, die Versöhnung, von vornherein ausschließt, verbleibt im Alten.". Schon beeindruckend, wenn jemand, der eine preußische Militärkirche nachbauen lassen will, die weit über den fast schon zu oft zitierten Tag von Potsdam hinaus auch sonst ein Hort militaristischer, nationalistischer und demokratiefeindlicher Strukturen war, die KritikerInnen als "im Alten" verhaftet oder ewig gestrig einordnet. Respekt! Das muss man erst mal bringen.

Vielleicht lohnt es sich, eines der Bücher, die über die Garnisonkirche geschrieben wurden, auch mal zu lesen - meinen Sie nicht auch?

Auch sonst zeigt Ihr Kommentar deutlich, wes Geistes Kind Sie sind. Statt den NutzerInnen des Rechenzentrums nahezulegen, wie diese sich ob des neuen Kreativquartiers fühlen sollen, könnte man deren Stmmen auch einfach respektieren. Gerade haben die NutzerInnen aber Bedenken gegen das neue Quartier - vor allem aufgrund der dort zu erwartenenden Miethöhe - artikuliert.

Und vielleicht würde es Sie etwas Demut vor dem verfassungsrechtlichen Instrument des Bürgerbegehrens lehren, wenn Sie mal versuchten, 14.000 Unterschriften von PotsdamerInnen zu sammeln. Von BürgerInnen dieser Stadt! Nicht von anonymen Adeligen und Menschen, deren politische Überzeugungen die Stiftung aus guten Gründen nicht zu genau beleuchtet.

Um Versöhnung geht es gar nicht.

Geehrter Herr Sändig,

eine Kopie ist eine Kopie eines Bestehenden, alles andere ist eine Wiederherstellung. So wie bspw. bei einem verschollenden Notenblatt, bei einem nachgebauten einzigartigen Musikinstrument, bei Bauten wie dem Markusturm in Venedig, der vor gut 100 Jahren schlichtweg einstürzte. Ohne dass auch nur ein einziger Venedig-Besucher sich heute an diesem Nachbau - wie Sie schreiben "Kopie" - sich stören würde.

Es grenzte an Metaphysik, aus dem Nachbau eines Gebäudes die Fortsetzung der Geisteshaltung anzunehmen, die mit diesem Gebäude großenteils verbunden war. Nach dieser Logik dürfte kein einziger Fußballfan das Olympiastadion besuchen und kein einziger Mensch im früheren Reichsluftfahrtministerium und heutigem Finanzministerium arbeiten.

Es geht um die Frage, ob Wandlung gelingt oder ob sie nicht sein soll. Ich bin für das Erste. Wie ich Sie verstehe, gehen Sie davon aus, dass Wandlung nicht zu gelingen hat. Das ist in der Tat das glatte Gegenteil von Versöhnung.

Mit freundlichen Grüßen
Helmut Krüger

Ich finde es bedauerlich, wenn die Auseinandersetzung über den Wiederaufbau der Garnisonkirche, zu der es sich widersprechende Beschlüsse in unserer Stadt gibt, über den Bürgerhaushalt ausgetragen wird. Denn über die weitere Entwicklung des begonnen Bauprojektes wird mit Sicherheit nicht mit dem Bürgerhaushalt entschieden, es dient dann nur einer Pressemeldung, die wiederum die Einen so und die Anderen anders deuten. Ohne diese Auseinandersetzung könnte man einfach tun, worum es geht: finanzielle Prioritäten in der Stadt setzen.

Hallo Herr Krüger,

es ist schon putzig mit welcher igno- und arroganz sie neudefinitionen und deutungshoheiten von klar definierten begrifflichkeiten proklamieren ("Kopie (lat. copia ‚Menge, Vorrat‘), auch Vervielfältigung, steht für:
+ allgemein das Ergebnis der Reproduktion
+ ein originalgetreues Duplikat
+ eine Nachbildung eines Originals";
quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kopie).

auch wenn es nicht einfach ist, aus ihrem, praktisch ohne grammatikalische regeln auskommenden, wortsalat schlau zu werden, weiss man was sie meinen. denn die völlig verquasten ansichten und das unerträgliche versöhnungsgejammer (versöhnung mit was und wem?) der GK-fans, kommen seit über 30 jahren aus der gleichen ecke - rechts unten.

was macht der aktuelle spendenstand der PRIVATEN gönner? nicht so doll? wer hätte das gedacht.

"Bei Offenheit." - gerne dabei!

@ mascherek,

das klingt überaus definitiv und hat so garnichts mit dem Anschaulichen zu tun, was ich hier zum besten gab. Sei´s drum. Wären Sie so offen, wie Sie im Schlußsatz vorgeben, dann hätte der Eintrag hier keinen denunziatorischen, sondern einen neutralen Zungenschlag erhalten.

Bitte erzielen Sie Einigkeit mit sich selbst, ob Sie neutral im Wikipedia-Sinne vorgehen wollen oder mit erkennbarem denunziatorischen Zungenschlag, der sich von der Wikipedia-Definition damit sichtbar entfernt.

@ Harald Geywitz,

da bin ich ganz bei Ihnen. Ich hatte auch kurz überlegt, ob es recht lohne, auf das "the same procedure of every year" einzugehen. Allerdings halte ich es in keinem einzigen 'Fall gut, offenkundige Unrichtigkeiten einfach stehen zu lassen.

Freundliche Grüße!

Sehr geehrter Herr Geywitz,

Sie schreiben "Ohne diese Auseinandersetzung könnte man einfach tun, worum es geht: finanzielle Prioritäten in der Stadt setzen."

Auch hier muss ich schmunzeln. Seit vielen Jahren wird vorgeschlagen, den Bürgerhaushalt mit einem eigenen Budget auszustatten, dass die dort priorisierten Vorschläge auch tatsächlich finanziell umsetzbar macht. Und immer wieder wurde dieser Vorschlag in der Vergangenheit abgelehnt - von der alten Rathauskooperation mit der Sozialdemokratie an der Spitze.

Die finanziellen Prioritäten hat die Stadt in der causa Garnisonkirchenkopie an ganz anderen Stelle gesetzt. Die Schenkung des Grundstücks, der mehrfache Einsatz von Geldern des Sanierungsträgers und der kirchenkonforme Umbau der Breiten Straße/ Dortustraße seien genannt. Auch hier lenkten Sozialdemokraten die Geschicke der Stadt.

Und solange die Stadt Beteiligungsverfahren aller Art als Instrument begreift, Beteiligungsprozesse entweder so zu manipulieren, dass am Ende das herauskommt, was ohnehin herauskommen sollte - siehe Werkstatt Lustgarten und die sogenannte Volksabstimmung über den Wiederaufbau des Stadtschlosses oder aber ein schon gefundes Ergebis nicht akzeptiert und nachträglich verändert - siehe Werkstattverfahren Schwimmbad und Szenarioworkshop Kunst- und Kreativzentrum, muss man (Sie) wohl damit leben, dass auch der Bürgerhaushalt dazu genutzt wird, politisch umstrittene Projekte zu diskutieren und auf Missstände und antidemokratische Fehlentwicklungen hinzuweisen.

Mit freundlichen Grüßen Arndt Sändig

Sehr guter Vorschlag, braucht niemand! Man muss nicht alles wieder aufbauen was weg ist und aus Potsdam das Disneyland des Kaisers machen.

Auch für mich eines der Themen für Potsdam die mehr als überflüssig sind!

Hasso Plattner hat seinerzeit klug entschieden und den Abriss des Hotel Mercure zu Gunsten der Errichtung eines Museums für seine Sammlung nicht weiter forciert, eben weil der Abriss so umstritten war.
Der Bau der Garnisonkirche ist nicht minder umstritten und polarisiert. Dieses Symbol des Militarismus sollte nicht wieder aufgebaut werden. Die vielen Gegenstimmen sollten erhört werden und in einem vernunftgemäßen Handeln münden.

Bis jetzt ist immer noch so, dass die Kirche bestimmt, welche Kirchen gebaut werden, die jüdische Gemeinde bestimmt, wie jüdische Gemeindehäuser aussehen und ebenso ist es mit der Errichtung von Moscheen, dass da die islamischen Gemeinschaften die Bestimmenden sind.

Das Letzere hat übrigens auch die Erfurter Stadtfraktion der Partei Die Linke so gesehen, als sich die AfD anmaßte, eine Volksabstimmung über den Bau einer Moschee zu initiieren. Dagegen stehe die Religionsfreiheit, so die Argumentation der dortigen Stadtratsfraktion. Damit haben sie zweifellos recht.

In Erfurt und auch in Potsdam. Auch, was den Bau der Garnisonkirche angeht und glücklicherweise auch, was den Bau der Synogoge angeht, wo sich die jüdischen Gemeinden endlich geeeinigt haben und auch, was den Umbau des früh. Heizhauses angeht, in dem Muslime jetzt ihr Gebetshaus haben. Mehr ist immer drin.

Die Garnisonskirche soll weiterhin aufgebaut werden.
Sie ist ein Teil von Potsdams Geschichte.
Speziell in Potsdam haben Kultur und Geschichte eine besondere Bedeutung.

Leider gibt es einige in der Gesellschaft, die ein Problem damit haben Vergangenheiten ruhen zu lassen ohne Sie zu vergessen.
Egal welche Vergangenheit die Kirche darstellt, es ist vorüber.
Somit können wir stolz sein, wenn die Kirche wieder steht :)

Schön weiter bauen und nicht aufhalten lassen

Tja, wäre die Garnisionkirche ein DDR-Bau, würde sich diese Frage nie stellen, Denn dieser Teil der Geschichte Potsdams braucht keinen Einsatz zur Erhaltung. "Sozialistische Notdurftarchitektur" ist keine Erinnerung wert.

Kein Geld und auch keine Versöhnung mit diesem unsäglichen Symbol, welches leider schon angekommen zu sein scheint in der Mitte der Gesellschaft und Potsdams. Dafür sollten die Stifter für jeden Glockenschlag zumindest (100,-??) zahlen (zur zumindest dinglichen Versühnung) für wirkliche und soziale Zwecke.
s.Vorschlag 972 https://buergerbeteiligung.potsdam.de/vorschlag/laermsteuer-einfuehren
Ich schreibe dies in Bitternis, weil sie nicht zu verhindern sein wird.

Reißt diese Förderruine ab bevor die Kosten explodieren! Wir brauchen keinen Ort an dem sich rechtskonservative Bürger und Rechtsradikale die Hand reichen können.

An die Autoren JLPicard, Jürgen Ludwig und LOk3:

Ein Blick sowohl in das gesamte Bundesgebiet als auch ins nahe und ferne Ausland lohnt, um den Blick nicht zu eng werden zu lassen, was das Loslassen offenbar liebgewordener Feindbilder betrifft:

Frankfurt am Main hat sein technisches Rathaus abgerissen - drei Hochhausblöcke aus den 1970er Jahre
Hamburg hat das Millerntor-Haushaus, das Albingia-Hochhaus und das Hochhaus der Nordelbischen Kirche nahe des Hopfenmarktes abgerissen
Ludwigshafen-Mannheim reißt eine Stelzen-Hochstraße ab, weil die die Stadt zerschneidet.

Alle Abrisse beziehen sich auf etwas Passendes oder Unpassendes in der Stadt-Komposition, gleich, wer das aus welchen Motiven gebaut hat. So ist es auch mit Rekonstruktionen.

Die Grobheit der so bez. Wende im wirtschaftlichen Bereich, bei der eine Siegermentalität auch gut funktionierende Betriebe wie in Bischofferode platt gemacht hat, rechtfertigt keinesfalls, jeden abgerissenen Stein und jeden Quadratmeter Beton nur deshalb unter Artenschutz zu stellen, weil ein Staat namens DDR ihn errichtet hat.

Das Gegenteil von Versöhnung erscheint mir die Vergiftung durch überholte Frontstellungen.

Dieser Aufbau ist eine Steueregeldverschwendung, die einem den Atem stocken lässt. Nicht nachzuvollziehen, symbolträchtig und reiht sich nahtlos in weitere architektonische Fehlentscheidungen der Stadt ein.

Ich möchte diese Diskussion gerne einmal auf eine ganz pragmatische Ebene führen: es soll mit Hilfe von Steuergeldern etwas Vergangenes wiederaufgebaut werden. An einer Stelle, an der etwas Bestehendes und Lebendiges steht, das Kunst und Kreativhaus Rechenzentrum, mit einer lebendigen Kunst und Kreativszene. Und weil die ja für die Stadt Potsdam auch wichtig ist, wird das Kunst- und Kreativhaus abgerissen und ein paar Meter weiter neu gebaut. Bestimmt auch wieder mit Steuergeldern. ??
Irgendwie erinnert mich das an die Geschichte der Schildbürger ..
Darum: warum lassen wir nicht einfach das Rechenzentrum da wo es ist. Mit dem Turm der Garnisonskirche davor doch ein schönes Bruch und gleichzeitig ein echtes Zeichen des Aufeinanderzugehens.

Die Potsdamer sind zu 83 % nicht christlich gebunden. Selbst ein Teil der Potsdamer Christen "brauchen keine Garnisionkirche". Wir brauchen hier weder eine Kirche noch eine Garnisionkirche. Das ist eine Entscheidung der ewig Gestrigen, die nicht wahr haben wollen, dass sie Potsdam nicht christlich missionieren können. Die Toleranz der Stadt und die Basis der Versöhnung beruht auf langer Potsdamer Tradition und auf eigenverantwortlichem und von Kirche und Parteien unabhängigem Handeln der Potsdamer.
Schlimm auch, dass statt Aufbau des Garnisionkirchenturms i m m e r von der ganzen Garnisionkirche gesprochen wird. So wird uns täglich suggeriert, dass die gesamte Kirche beschlossene Sache ist.
Wenn jemand ein Eigenheim beantragt und nicht durchfinanziert hat bis zum Klingelschild, wird der Antrag abgelehnt. Wer genehmigt überhaupt ein nicht voll finanziertes, völlig umstrittenes Bauprojekt, welches wirklich kein Potsdamer braucht???Das Geld braucht die Stadt dringend an anderer Stelle!

@ BL,
@ Anne Preuß,

ich empfinde Ihre Sicht der Stadt als all zu pragmatisch und zu nüchtern. Keine der Städte hierzulande hätte Bedeutung und Zuspruch erlangt nur mit dieser Einstellung. Je mehr es um das Zentrum einer Stadt geht, umso mehr galten und gelten schon immer weit mehr Prinzipien. Was ich damit meine: diejenigen der Bedeutungsstiftung, die über das rein Praktische hinausgehen. Sonst sähen die Städte recht verwechselbar und recht uniform aus.

Wir hätten weder Venedig noch Prag noch Lissabon. ;- Denn da bestünde der Verdacht des Schmonzes von gestern und vorgestern.

Es sind nicht Ewiggestrige in dem Sinne, dass Vergangenheit die Gegenwart ersetzen soll, es sind Menschen, die das Abschneiden der Gegenwart von der Vergangenheit als Unsinn begreifen, die sich für die Wiedererrichtung dieses Bauwerks einsetzen. Geschichte kann nicht begriffen werden, ohne dass ANSCHAULICH die Gegenwart aus der Vergangenheit und die Zukunft aus der Gegenwart erwächst.

Wer die Geschichte recht technisch einfach abschneiden will, worin ja der Grund für die Sprengung lag, der versperrt sich dem Lernen. Dem geht es nur darum, auf der einzig richtigen Seite zu stehen. Das tut zwar einer Bauchpinselei gut, ist aber ein Gedankengang, der das Elitäre erst hervorgebracht hat, was er doch zu bekämpfen vorgibt.

Ein Zentrum für Kunst und Kultur gegen ein Symbol für Faschismus, Rassismus und NSDAP. Kein Wunder dass die AfD das unterstützt. Geschichte darf sich nicht wiederholen. Dieses Gebäude wird die Stadt verschandeln!

Ein guter Vorschlag. Kirchengebäude sollten auch von der Kirche gebaut werden!

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